Burg-Penthouse für Geschwindigkeitsweltrekordler

Die Burg Hohenzollern hat ein Penthouse einrichten lassen und bietet diese nun auf dem Wohnungsmarkt an. Voraussetzung: Die Mieter dürfen nicht größer als 55 cm sein und müssen der Familie Falco peregrinus angehören.

von Roland Beck

Die Burg Hohenzollern hat auf ihrem Nordflügel ein Penthouse-Apartment einrichten lassen und bietet diese nun auf dem Wohnungsmarkt an. Voraussetzung: Die Mieter sollten einen ernsthaften Kinderwunsch in Betracht ziehen und eine Spitzengeschwindigkeit von 350 Stundenkilometern erreichen können. Ferner dürfen sie nicht größer als 55 cm sein und sollten der Familie Falco peregrinus angehören. Kurz: das Inserat ist an Wanderfalken gerichtet.

Uli Bauer aus Hechingen (Bild oben links) und Matthias Kellner aus Wannweil (rechts) sind seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz des NABU tätig. Zu ihren Aufgaben zählen in erster Linie die Beobachtung und Registrierung der hiesigen Wanderfalken. Deren Brutplätze melden sie dem Landratsamt, das im Bedarfsfall den betreffenden Nistplatz entsprechend schützen lässt. Zum Beispiel wird ein Kletterfels, den sich ein Falkenpaar auserkoren hat, für Sportler gesperrt. „Das kommt nicht von ungefähr“, erklärt Uli Bauer und führt aus: „Die Population der Wanderfalken hat in den 1960er Jahren sehr stark abgenommen. Grund waren illegale Ei- oder Küken-Entnahmen aus den Nestern und vor allem der Einsatz des damals oft verwendeten Pestizids DDT.“ Die Chemikalie habe zu einer Verdünnung der Eierschalen geführt, wodurch diese beim Brüten zerbrochen seien. Zudem habe das Gift zu einer Unfruchtbarkeit der Vögel beigetragen. Der Bestand erreichte seinen Tiefstand 1972 mit nur noch 26 Paaren in Baden-Württemberg. Im selben Jahr noch wurde DDT in Deutschland verboten. Seither erholt sich die Falken-Population, was natürlich auch dem Einsatz der AG Wanderfalkenschutz, die 1965 gegründet wurde, zuzuschreiben ist. 2025 wurden in Baden-Württemberg wieder 200 Paare registriert.

 

 

Die beiden Experten sind nicht nur mit Fernglas und Bleistift unterwegs. Ab und an errichten sie auch Nistkästen, die in Form, Größe und Ausstattung auf die Bedürfnisse der Wanderfalken ausgerichtet sind. Da trifft es sich gut, dass Matthias Kellner auch gelernter Schreiner ist. Der Kontakt zur Burg Hohenzollern kam über Uli Bauer zustande, der nebenbei seit 30 Jahren auch den jährlichen Zollerberglauf des Skiclubs Hechingen organisiert und in diesem Rahmen mit Dr. Anja Hoppe zum Thema Wanderfalkenschutz ins Gespräch kam. Die Burgverwalterin zeigte sich spontan begeistert und kooperativ: „Die Burg ist eh ein Mikrokosmos für diverse Tierarten. Unter anderem wohnen hier seit Jahren eine Turmfalkenfamilie und ein Kolkrabenpaar.“ Diese dürften sich mit den neuen Nachbarn auch gut vertragen, sind sich Bauer und Kellner einig. Dem Aufbau eines Wanderfalken-Nistkastens stand also nichts im Wege.

„Die Wanderfalken bevorzugen abgelegene Brutplätze in einer Höhe von mindestens 15 Metern“, erklärt Matthias Kellner. „Gerne an Felsen oder in Türmen, aber auch in stillgelegten Industrieanlagen“, ergänzt Uli Bauer. Die talseits liegenden Dachzinnen des Nordflügels der Burg erschienen den beiden geeignet. Dort installierten sie nun die neue Behausung. Eine wetter- und sturmfeste Holzkiste, ausgelegt mit einem Gemisch aus Tongranulat und feinem Kies. Denn die Falken brüten, wie viele Greifvogelarten, auf dem bloßen Boden, ohne weiche Auspolsterung. Das Blechdach des Nistkastens kann bei Bedarf geöffnet werden. Sollte sich hier ein Wanderfalkenpaar niederlassen und Junge bekommen, könnten die Vogelschützer diese so auch problemlos beringen und den Nachwuchs der Vogelwarte Radolfzell melden.

Jetzt heißt es abwarten, ob oder wann der Nistkasten von einem Wanderfalkenpaar angenommen wird. „Die Chancen stehen ganz gut, denn auf dem gegenüberliegenden Albtrauf und im Mössinger Bergrutsch gibt es bereits Paare“, meint Uli Bauer. Wanderfalken werden rund 15 Jahre alt, ziehen pro Jahr 2-3 Junge auf und sind auch über Generationen hinweg standorttreu. Im Gegensatz zum Turmfalken, der hauptsächlich Mäuse am Boden jagt, ernährt sich der Wanderfalke von Kleinvögeln, die er in der Luft schlägt. Im Sturzflug erreicht er bis zu 350 Stundenkilometer und hält somit konkurrenzlos den Geschwindigkeitsweltrekord im Tierreich. Mit einer Größe von 35-55 Zentimetern ist der Wanderfalke fast so groß wie ein Bussard und übertrifft den Turmfalken somit um das Anderthalbfache. Dabei ist der Terzel, das Männchen, deutlich kleiner als das Weibchen. Farblich passt der Wanderfalke übrigens hervorragend zur Burg. Mit seinem dunkelgrauen Rücken und dem hellen Bauch mit dunklen Sprenkeln trägt der quasi die Hohenzollernfarben im Federkleid.

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